Vereinsgeschichte

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Das Umfeld +++ Gründung des Vereins  +++  Aktivitäten bis 1914 +++ Stiftungsfest und Wiederaufnahme der Vereinstätigkeit +++ Neugründung des Vereins nach dem Zweiten Weltkrieg +++ Der HMV und die neue Ordnung +++Die 60er Jahre +++ Die 70er Jahre +++ Das 75-jährige Jubiläum +++ Verlagerung der Fastnachtssitzungen ins Bürgerhaus +++ Weinlese +++ Die 80er Jahre +++ Der Sitzungspräsident +++ Die 90er Jahre +++ Das 100-jährige Jubiläum +++ 100 Jahre Kreppelzeitung +++ Die 2000er Jahre +++ Mikrokosmos +++ 111 Jahre HMV… +++ Frauenpower im Vorstand +++Seit 2010

 

Das Umfeld

Das letzte Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts stand unter Kaiser Wilhelm II. im Zeichen großer politischer und sozialpolitischer Veränderungen. Neben einer machtvollen Außenpolitik und der Kolonialisierung riesiger Gebiete, einem beachtlichen Heer und der weltweit zweitgrößten Flotte, die dem Schutz dieses Gebildes diente, standen große innenpolitische Themen im Vordergrund. Ideen romantischen Königtums und technokratisch-plebiszitärer Führerschaft verhaftet, gerieten die Machtansprüche Wilhelms II. in Sozial- und Außenpolitik nach seiner Thronbesteigung rasch in Konflikt mit denjenigen Bismarcks, die schließlich sogar zum Sturz des "Eisernen Kanzlers" führten. Das rasante Tempo der Industrialisierung mit seinen, sich nicht immer positiv verändernden Lebensbedingungen führte zur Suche nach einem neuen Naturalismus, der sich auf die Kunst, die Gestaltung der Gebrauchsgegenstände des Alltags und den Wunsch nach freier Entfaltung des Körpers und des Geistes auswirkte.

In der kleinen Gemeinde Hochstadt, die sich dem Wein- und Obstanbau verschrieben hatte, war die Welt in Ordnung und stolz blickte man auf die Nachbargemeinden, denn man hatte sich, ähnlich dem Fürstenbahnhof Wilhelmsbad, einen eigenen Bahnhof an der Strecke Frankfurt - Hanau geleistet, der bis zum heutigen Tag den Namen Hochstadt-Dörnigheim trägt. Außerhalb der Ringmauern entstanden die ersten Neubaugebiete womit auch "frisches Blut" in den Ort kam. Neubürger wurden schnell in die örtlichen Vereine integriert, wenn sie die Gemeinschaft suchten. Geselligkeit war Trumpf und die Höhepunkte des Gemeinschaftslebens der damaligen Zeit waren riesige "Sängerwettstreite" und die Kerb.

Gründung des Vereins

Am Nachkerb-Sonntag 1896 trafen sich dann auch in der Gastwirtschaft Michael Weber einige junge Männer mit der festen Absicht, einen neuen Verein in Hochstadt zu gründen. Man nannte diesen Verein zunächst wegen seiner anfänglichen Aktivitäten "Lustige Gesellschaft". Kurz darauf gab sich der Verein den Namen HUMORISTISCHER MUSIK-VEREIN "EDELWEIß".

Wie aus der Gründungsurkunde und der Originalsatzung hervorgeht, setzte sich der erste Vorstand zusammen aus dem Vorsitzenden Peter Heckert, dem Schriftführer Philipp Koch, dem Kassierer Karl Huhn und dem Inventarverwalter Johannes Mankel. Die übrigen Gründungsmitglieder waren Philipp Hofacker, Valentin Fischer, Andreas Emmel, Philipp Weber, Johannes Bechert und Heinrich Bauer.

Die Originalsatzungen wurden am 29.8.1896 einstimmig von den insgesamt 10 Mitgliedern angenommen und von Bürgermeister Weber genehmigt. Sie sind noch heute im Besitz des Vereins. Aufgabe und Zweck des Vereins gilt allein "der Pflege des Humors in Wort und Musik".

Aktivitäten bis 1914

Als Hauptantriebsmotor tat sich Philipp Koch, genannt "Bäcker-Philipp", hervor. Er unterhielt einen Käsehandel und war in der näheren und weiteren Umgebung bekannt. Durch seinen großen Aktionsradius lernte er andere humoristisch tätige Vereine kennen, mit denen er Kontakt aufnahm. Das Hochstädter Vereinsleben widmete sich bisher dem Gesang, dem Sport und dem Obst- und Gartenbau. Nun hatte Hochstadt einen Verein, der zu den humoristischen Vereinen zählte, die sich etwas differenzierter mit Wort und Schrift auseinander setzten und meist auch die Musik zur Geselligkeit pflegten.

Das erste registrierte vereinseigene Instrument war eine Ziehharmonika, die bei der Firma Sennelaub in Frankfurt gekauft wurde. Um weitere Instrumente zu finanzieren, zog man am Fastnachtsdienstag 1897 mit einer Drehorgel und besagter Ziehharmonika durch die Straßen. Der Erlös reichte für eine Pauke und eine Trommel. Bald kamen noch weitere Instrumente hinzu und es wurde für die so entstandene Kapelle ein Dirigent namens Heinemann aus Frankfurt verpflichtet. Ähnlich der weit verbreiteten Sängerwettstreite, gab es auch Wettstreite für Vereinskapellen. Die Musiker des Vereins übten gerade mal ein halbes Jahr, als man sich zur Teilnahme an einem Wettstreit mit acht Vereinen meldete.

Der damals schon recht gut beherrschte Marsch "Wien bleibt Wien" wurde von den Organisatoren abgelehnt und der "Kaiser-Friedrich-Marsch", als Pflichtmarsch angesetzt und fleißig einstudiert. Vor Ort wurde man dann allerdings damit konfrontiert, dass nur die Ziehharmonikaspieler zugelassen waren und jeder Musiker einzeln - in Klassen eingeteilt - spielen musste. Trotzdem errang der damalige Erste Vorsitzende Peter Heckert einen 1. Preis in der 2. Klasse. Der erste der ca. 80 nachvollziehbaren Vereinsausflüge ging nach Berkersheim bei Frankfurt, dem Wohnsitz des Gründungsmitgliedes Philipp Koch. Vom guten Abschneiden beim Musikwettstreit ermuntert nahm man im darauffolgenden Jahr erfolgreich an einem Wettstreit in Griesheim teil, ehe der nächste im eigenen Vereinslokal stattfand. Es folgten 1899 ein bedeutender Wettstreit in Isenburg, wohin man mit der damals zum absoluten Erlebnis zählenden "Waldbahn" fuhr, sowie danach eine weitere Veranstaltung im Vereinslokal.

An vielen Vereinsabenden konnte man für ein Eintrittsgeld von 30 Pfennigen tanzen und sich bestens unterhalten. Dass bei den wöchentlichen Übungsstunden meist ein Fass Bier getrunken wurde, war damals nichts Außergewöhnliches und so manches Fass findet sich noch heute mit der Begründung "Fass Bier (25 Ltr.) für Instrumente putzen - RM 3,70" im Kassenbuch des Vereins. 1899 übernahm Arthur Bayer, ein ausgesprochener Zither-Spieler, den Dirigentenstab. Unter seiner Leitung erweiterte sich das Repertoire der Musiker erheblich, was der Erfolg bei den zahlreichen überlieferten Veranstaltungen belegt. Urkundlich belegt ist ab diesem Zeitpunkt auch die bis in die 70er Jahre reichende Arbeit des Vereinsdieners, zu dessen Aufgaben die Kommunikation und die öffentlichen Bekanntmachungen zählten. Im Jahr 1901 erfolgte der Umzug des Vereins in die Gastwirtschaft Philipp Eibelshäusers "Zum Neuen Bau" . Gleichzeitig erfolgte ein Wechsel im Vorstand. Philipp Eibelshäuser aus der Nordstraße wurde 1. Vorsitzender und ihm zur Seite stand der Althumorist Philipp Hofacker. Beide Männer setzten fortan andere Akzente und widmeten sich mehr den humoristischen Vereinszielen. Arthur Bayer gründete daraufhin einen eigenen Zitherverein und schied aus dem Verein aus. Der Vereinswirt Philipp Eibelshäuser, ein hervorragender Handharmonikaspieler, übernahm an seiner Stelle die musikalische Leitung des Vereins.

Da humoristische Betätigung erst richtig aufblüht, wenn die Öffentlichkeit einbezogen ist, entschlossen sich die genannten Humoristen 1902 zur Herausgabe eines "Humoristischen Witzblattes", das die Hochstädter spontan nach der bekannten humoristischen Schriftenreihe Friedrich Stoltzes die "Kreppelzeitung" nannten. Der speziellen Geschichte der inzwischen rund 40.000 gedruckten Exemplare der Kreppelzeitung ist ein eigenes Kapitel gewidmet.

Ein Blick in das Jahr 1904 zeigt, dass der Verein, der sich auch mit Theateraufführungen befasste, die eigens angeschaffte komplette Bühnenausrüstung nach Rendel verkaufte, um sich ausschließlich auf Humor und Musik zu konzentrieren. 1905 wird dann als besonderes Ereignis - die Anschaffung einer zweiten Pauke und einer weiteren Trommel - erwähnt, die bis heute noch im Einsatz sind. Im Jahr 1906 vermerkt die Chronik zum 10-jährigen Bestehen die Anschaffung von Abzeichen, einer Vereinsstandarte und die Ausstattung der inzwischen 37 männlichen Mitglieder mit einheitlichen Mützen, die anlässlich eines Auftrittes in Langstadt erstmals im Einsatz waren.

Die Vereinsausflüge waren jährliche Höhepunkte des Vereinslebens und willkommener Anlass, die Vereinskasse zu erleichtern. Aus dem Kassenbuch geht hervor, dass immer mehr Mitglieder zum Militär eingezogen worden waren und am 20.2.1913 anlässlich des Kappenabends im Neuen Bau nur noch ganze 13 männliche Personen anwesend waren. Bis zum Jahr 1914 gehörten die "Dorfunterhaltungsabende", Bälle zu allen Gelegenheiten, Preiskegelveranstaltungen und die Kappenabende zum festen Bestandteil des Ortsgeschehens. Mit Beginn des 1. Weltkrieges ruhte die aktive Vereinstätigkeit.

Stiftungsfest und Wiederaufnahme der Vereinstätigkeit

Am 3. März 1919 nahm der Verein seine Tätigkeit mit einem Kassenbestand von RM 36,25 wieder auf. Eine Bestandsaufnahme der damals noch ausschließlich männlichen Mitglieder ergab, dass 12 Mitglieder die Kriegswirren überstanden hatten. Philipp Weber, Andreas und Heinrich Sonnemann, Ernst, Philipp und Jakob Eibelshäuser, Heinrich, Johannes und Josef Seibel, Andreas Burger, Wilhelm Mankel und Johannes Schäfer wurden namentlich im Kassenbuch verewigt.

Nachdem der Kassenbestand am Jahresende noch keine hundert Mark betrug, beschloss man kurzerhand, ein Stiftungsfest zu veranstalten, das dann auch über 800 Mark in die Vereinskasse brachte. In den folgenden Jahren stiegen die Einnahmen und Ausgaben des Vereins wegen der anhaltenden Inflation so sehr, dass sich der Verein entschloss, die Kassenbuchführung ab Februar 1923 vorübergehend einzustellen. Die letzte Eintragung vom Januar verzeichnet eine Kranzspende in Höhe von RM 5.400,--, die bei einem Kassenbestand von RM 5.532,25 nahezu für einen Ausgleich sorgte. Hohe Beträge hatten keine Bedeutung mehr. Im Laufe des Jahres verschwanden die Zwanzig-, Fünfzig- und Hundertmarkscheine, um den Tausend- bis Fünfhunderttausendmarkscheinen Platz zu machen. Bis Ende 1923 waren Geldscheine in Milliarden- und Billionenhöhe erreicht. Erst die unvermeidliche Währungsreform sorgte wieder für normale Verhältnisse. Im Jahr 1928 hatten sich die Verhältnisse soweit normalisiert, dass sich der Vereinsdiener wieder jährlich mit RM 3,-- anstelle der 1922 gezahlten RM 600,-- begnügen musste. Der Verein päppelte den Kassenbestand mit einem zusätzlichen "Einschreibgeld" der 15 Mitglieder auf und brachte die gesellige Vereinstätigkeit wieder in Schwung. Man leistete sich 1929 sogar zwei Vereinsausflüge.

Die dreißiger Jahre brachten erneut Veränderungen und ein Teil der damaligen Mitglieder hatte Probleme mit den politischen Verhältnissen. Dies führte dazu, dass die Vereinstätigkeit sehr eingeschränkt war und 1938 auf Druck der Nationalsozialisten ganz zum Erliegen kam. Die Instrumente und das Vereinsvermögen wurden von den Gründungshumoristen in der Zuversicht auf die Wiederaufnahme des Vereinslebens aufbewahrt.

Neugründung des Vereins nach dem Zweiten Weltkrieg

Am Sonntag, dem 15. Februar 1948 fanden sich die Humoristen zu einer Sitzung zusammen, in der sie die Neugründung des Vereins beschlossen und Wilhelm Schröder zum Vorsitzenden, Philipp Mankel zum Schriftführer, Philipp Lind zum 2. Vorsitzenden und Peter Eibelshäuser zum Kassierer wählten.

Im März wurde die neue Satzung erstellt, am 1. April von den Mitgliedern und am 26. April 1948 vom Landrat genehmigt. Im gleichen Jahr ließ man sich auch die Herausgabe der Kreppelzeitung von den Alliierten genehmigen und wählte das Kreppelgericht. Wie sehr sich die Verhältnisse normalisierten, kann man aus der Tatsache schließen, daß 1949 bereits wieder an die GEMA (vorher STAGMA) und an das Finanzamt nennenswerte Beträge abgeführt werden mussten.

Der HMV und die neue Ordnung

Die 50er Jahre waren von der neuen Gründlichkeit der Behörden und Institutionen geprägt. So fanden sich die Vereine und mit ihnen natürlich auch die Humoristen in einem Wust von Verordnungen wieder, die das Vereinsleben manchmal vor hohe Hürden stellte. Sperrstundenverordnungen, das Jugendschutzgesetz, Sekt-, Vergnügungs- und Lotte-riesteuer und besonders das Gesetz für die Ruhe an Sonn- und Feiertagen wurden zur permanenten Gratwanderung der Vereine. Letzteres Gesetz griff immer dann, wenn die wichtigsten Festivitäten der Humoristen anstanden. Die "Bannmeile" um die Hochstädter Kirche, die im Umkreis von 150 Meter absolute Ruhe vorschrieb, wurde den beliebten Umzügen der stets ausgelassen feiernden Humoristen zum Problem. Eine Kuriosität am Rande: Den Besuchern von Veranstaltungen, die aus der Ostzone angereist kamen, erließ Bürgermeister Rauch großzügig die Vergnügungssteuer - bestand aber darauf, dass die Gäste die Eintrittskarten quittierten. 1956 mussten sogar alle Eintrittskarten auf der Gemeindebehörde abgeholt und die restlichen Karten wieder abgerechnet werden. "Tanzlustbarkeiten" und Fastnachtssitzungen wurden mit 25% besteuert.

Die Mitgliederversammlung vom 24.1.1952 wählt als Nachfolger für Wilhelm Schröder den bisherigen Schriftführer Philipp Mankel zum 1. Vorsitzenden. Er sollte 15 Jahre lang die Geschicke des Vereins lenken. Als 2. Vorsitzender begleitete ihn über ein Jahrzehnt Johannes Fischer und der Kassierer Peter Eibelshäuser. Am Samstag, dem 27. Oktober 1956 feierte der Verein sein 60-jähriges Bestehen. Am Festkommers wirkten die Sängervereinigung Hochstadt, der Zither-Verein Alpenrose, der Turnverein Hochstadt und das Walzer´sche Doppelquartett mit. Die Veranstaltung wurde zum bis dahin größten Fest des Vereins nach der Wiedergründung.

Die 60er Jahre

In den Sechziger Jahren waren die Rosenmontagsveranstaltungen die jährlichen Höhepunkte des Vereinslebens. Bis zu 16 Vorträge umfasste das Programm von 1962, das vom Programmausschuss, bestehend aus Johannes Koch, Hans Cordes, August Fieres und Karl Weis, zusammengestellt wurde. Dem Sitzungspräsident Johannes Koch oder "Koche-Jean", wie er genannt wurde, standen Karl Krämer und Peter Eibelshäuser als Zeremonienmeister sowie Jakob Mankel als Kellermeister zur Seite. Die liebevoll hergestellten Bühnendekorationen von Heinz Krämer werden vom HMV gelegentlich heute noch benutzt.

1962 wurde auch die neue Vereinsfahne feierlich vorgestellt und an der Bühne befestigt. Inzwischen war der Verein auf 48 Mitglieder angewachsen und noch immer befand sich kein weibliches Mitglied in den Reihen. Die umfangreichen Programmpunkte der Sitzungen im Neuen Bau zwangen jedoch zu einer Maßnahme, die bis heute mit Erfolg praktiziert wird. Da die Männer des Elferrates ständig in Auftritte eingebunden waren, blieben die Plätze im Komitee oft leer. So entschloss man sich 1962, einen Damen-Elferrat zu gründen. Er ist bis heute die Zierde jeder Sitzung und aus dem Fastnachtsgeschehen nicht mehr wegzudenken. Wie das überlieferte Bildmaterial beweist, verstanden es die Humoristen, im Neuen Bau vielen Hochstädtern ein attraktives Programm zu bieten.

Mit der Vorstandswahl vom 24. Februar 1967 vollzog sich ein Generationenwechsel im Vorstand, denn für Philipp Mankel, der 15 Jahre lang den Verein mit großem Erfolg geführt hatte, übernahm Wilfried Eibelshäuser den Vorsitz. Ihm zur Seite stand Helmut Roog als 2. Vorsitzender. Philipp Mankel wurde zum Ehrenvorsitzenden mit Stimmrecht auf Lebenszeit ernannt, von dem er bei wichtigen Entscheidungen bis heute Gebrauch macht. Im gleichen Jahr verstarb der Alterspräsident Johannes Fischer. Der junge Vorstand führte die Humoristen zu neuen Ufern und 1966 wurde der letzte Dorfunterhaltungsabend im Neuen Bau veranstaltet. Damit war der Umzug in das Bürgerhaus vorprogrammiert. Während 1967 nur ein Rosenmontagsball im Bürgerhaus und 1968 ein Kappenabend mit humoristischen Einlagen im Neuen Bau stattfand, probten die Humoristen 1969 bis 1972 die ersten Fastnachtssitzungen im Neuen Bau, ehe der Sprung ins Bürgerhaus gewagt werden konnte.

Wilfried Eibelshäuser begleitete nach seiner Wahl nicht nur das Amt des 1. Vorsitzenden, er fungierte ab diesem Zeitpunkt auch als Sitzungspräsident. Seine bis zum heutigen Tag sprichwörtliche Gründlichkeit, gepaart mit der Gabe, dem Leben stets die schönen Seiten abzugewinnen sowie die Maxime, jedem wohl und niemandem weh zu tun, prägten die Vereinsarbeit. Helmut Roog rundete die Leistung des Führungsgespannes mit großem Organisationstalent ab, wodurch die gesamte Mannschaft eine gute Basis besaß, mühelos den Schritt in Richtung "Großveranstaltungen" zu gehen. Immerhin war es schon ein großer Schritt, den Sprung vom 120-köpfigen Publikum zur Zuschauerkulisse des Bürgerhauses zu wagen. Noch heute kann man anlässlich der Kampagnen-eröffnungsfeier einen Hauch Nostalgie und familiäre Gemütlichkeit erleben, von der die eingefleischten Humoristen und Humoristinnen so schwärmen.

Die 70er Jahre

Im Jahr 1970 befasste sich der Verein im Zusammenhang mit der Verlagerung des Sitzungsgeschehens in das Bürgerhaus Hochstadt erstmals mit der Eintragung in das Vereinsregister. Kenner des Vereinsrechtes wissen um die feinen Haftungsunterschiede und das persönliche Risiko aller Mitglieder eines nicht eingetragenen Vereins. So beschloss die Mitgliederversammlung am 28.2.1970, die erforderlichen Formalitäten einzuleiten. Es sollten jedoch noch 12 Jahre ins Land gehen, ehe dieses Vorhaben in die Tat umgesetzt wurde.

Das 75-jährige Jubiläum

Am Freitag, dem 8. Oktober 1971 fand in besagtem Bürgerhaus eine respektable Jubiläumsfeier anlässlich des 75-jährigen Bestehens des Vereins statt, deren Schirmherren der damalige Landrat Martin I. von Woytal und Bürgermeister Philipp Ziegler waren. Anläßlich dieser Feier wurde August Fieres für seine 50-jährige, Philipp Mankel für seine 40-jährige sowie Peter und Philipp Eibelshäuser, Ernst Röder und Karl Krämer für ihre über 40-jährige Mitgliedschaft geehrt.

Verlagerung der Fastnachtssitzungen ins Bürgerhaus

Beherrschendes Thema der Mitgliederversammlung vom 12. November 1971 war der Bruch mit der Tradition der "Dorfunterhaltungsabende", an deren Stelle Fastnachtssitzungen im Bürgerhaus stattfinden sollten. Die Sorge um höhere Risiken, aber auch die Tatsache, dass der Saal des Vereinslokales bei Festveranstaltungen aus allen Nähten platzte, waren Gegenstand der Beratungen. Arbeitseinsätze anderer Größenordnungen und die Traditionsdiskussion erhitzten immer wieder die Gemüter. Nach einigen Stunden stand der Umzug ins Bürgerhaus fest und es wurde ein Vergnügungsausschuss gebildet, der die Organisation in die Hand nahm. Als Vorsitzender des Vergnügungsausschusses fungierte Helmut Roog, der von Richard Becker, Franz Matthes, Heinz Lohr, Fritz Roog, Heinrich Huhn, Hans Heide und Manfred Birkenstock unterstützt wurde. Am Samstag, dem 3. Februar 1973 fand die erste Fastnachtssitzung im Bürgerhaus Hochstadt statt, für die kräftig investiert wurde.

Sitzungspräsident Eibelshäuser konnte auf einen großen Hofstaat zurückgreifen und die Bühne zierte ein riesiges, von Hans Röder angefertigtes, beleuchtetes Transparent und nagelneue Bütten. Der Eintrittspreis betrug DM 4,-- an der Abendkasse. Trotz aller im Vorfeld geäußerten Bedenken kam das treue Publikum in Strömen und die Veranstaltung wurde zu einem großen Erfolg.

Bereits im März des selben Jahres fand eine Mitgliederversammlung statt, die wegen großer Zufriedenheit mit 45 Minuten Dauer als die kürzeste Versammlung der Humoristen in die Geschichte einging. Im darauffolgenden Jahr wählte man als Bühnendekoration eine Haifischbar und hatte mit dem "Soldatenstück" und zahlreichen guten Zugnummern erneut Erfolg, der sich in den darauffolgenden Jahren stabilisierte.

Wilfried Eibelshäuser hatte trotz des großen Erfolges oft große Mühe, den Aktiven die zur Durchführung einer gut organisierten Veranstaltung gehörende Disziplin näher zu bringen.

Weinlese

1974 findet sich in den Protokollen des Vorstandes der aus heutiger (Winzer-)Sicht bemerkenswerte Eintrag: "Die Weinlese ist abgeschlossen. Am Samstag, dem 28.9.74, treffen sich die Mitglieder Hans Schmitt, Manfred Heckert, Wilfried Eibelshäuser und Hans Röder bei unserem Winzer August Fieres." Die angerückten Humoristen mussten für die Umarbeitung der heimischen Traubenernte zu Most sorgen. Dafür wurde anlässlich des Hallenfestes, wie noch heute das alljährliche Fest in der Feldscheune hinter der Ringmauer heißt, der Wein des letzten Jahrganges ausgeschenkt.

Die 80er Jahre

Zwei Jahre später fuhr eine große Abordnung der Humoristen zum "Spiel ohne Grenzen" in die Partnerstadt Luisant. Anschließend richtete man zusammen mit der Sängervereinigung die Kerb aus. Nach Jahren kräftezehrender Doppelbelastung fasste Wilfried Eibelshäuser am 25. März 1977 den Entschluss, sich nur noch auf das Amt des Sitzungspräsidenten zu konzentrieren. Die Versammlung wählte Hans Heide zum neuen Vorsitzenden des Vereins. Bereits ein Jahr später übernahm Manfred Birkenstock dieses Amt und führte den Verein äußerst routiniert und professionell. Birkenstocks Perfektion, Genauigkeit und Zuverlässigkeit sorgte für eine zielstrebige Aufbauarbeit, in der sich viele gute Kräfte bewähren sollten.

Das Jahr 1980 wurde von einer Idee des 1. Vorsitzenden Manfred Birkenstock geprägt, die heute auch in anderen Ortsteilen anzutreffen ist. Er hob das "Hochstädter Altstadtfest" aus der Taufe. Es findet seit dem 29. Juni 1980 alljährlich auf dem Hochstädter Rathausplatz statt und ist das bedeutendste Sommerfest des Humor-Musik-Vereins. Nach kurzer Zeit musste Manfred Birkenstock aus beruflichen Gründen die Vereinsgeschäfte wieder an Hans Heide übergeben.

Die Veränderungen in der Vorstandsarbeit bedurften gründlicher Beratungen, zu denen sich der Vorstand geschlossen für mehrere Tage nach Jossa in Klausur begab. Auch dies wird seitdem alljährlich von den Humoristen praktiziert. Im gleichen Jahr gründete der Verein aus der Jugendtanzgruppe das 1. Maintaler Majorette-Korps, das über viele Jahre von Jutta Dammann geleitet wurde.

Ab 1981 wurden die Aktivitäten der Humoristen von den Ideen des Neuhumoristen Klaus Klee beeinflusst. Er organisierte zunächst zusammen mit Norbert Dammann das erste Jugendzeltlager des Vereins und wählte dafür die Hochrhön aus. Diese Veranstaltung wurde über mehrere Jahre zum festen Bestandteil des Vereinslebens.

Nach anfänglichen Veränderungen, die er am vorhandenen Bühnenbild vornahm, öffnete Klaus Klee mit dem Bau eines dreidimensionalen Bühnenbildes, das in der Mitte durch ein Stadttor begehbar war, die Bühnenmitte, wodurch vom Präsidenten die Sitzungen in der Art eines Conférenciers moderiert werden konnten. Für die Karnevalisten war das eine gewaltige Umstellung, doch sie stellten nach kurzer Eingewöhnungszeit fest, dass das Konzept Vorteile hatte und es die Wirkung der Kleinkunst- und Gesangsnummern unterstrich.

Die Diskussion "Tradition oder Fortschritt" - das beherrschende Thema der Mitgliederversammlung vom 2. April 1982 - ging zugunsten von Tradition und Fortschritt aus, denn Helmut Roog wurde zum Vorsitzenden und Klaus Klee zum 2. Vorsitzenden gewählt.

Eintrag in das Vereinsregister: Mit einer Geschäftsordnung für den Vorstand und der Änderung der Satzung bereitete Klaus Klee den Eintrag des Vereins in das Vereinsregister vor. Am 16. Dezember 1982 erfolgte der Eintrag auf dem Amtsgericht Hanau, womit ein 12 Jahre alter Vorstandsbeschluss ratifiziert wurde.

Der Sitzungspräsident

Im September 1983 wurden die Humoristen von einer unerwarteten Entscheidung des langjährigen Sitzungspräsidenten Wilfried Eibelshäuser überrascht. Die angeschlagene Gesundheit zwang ihn zu einer Pause. Für ihn übernahm Klaus Klee das Kommando über das Sitzungsgeschehen. Norbert Dammann wurde gleichzeitig 2. Vorsitzender. Das Sitzungsgeschehen verlief Dank der tatkräftigen Unterstützung des Mister HMV, wie Wilfried Eibelshäuser liebevoll genannt wird, und der eingespielten Mannschaft überaus erfolgreich. Das Publikum nahm die neuen Akzente des Sitzungspräsidenten Klaus Klee an und die Humoristen lieferten tadellose Programme ab. Völlig neu war, dass die Sitzungen vom Sitzungspräsidenten und einer Co-Moderatorin geleitet wurden, in deren Rolle sich Tanja Dammann bewährte.1985 befasste man sich mit der Vorbereitung des 90-jährigen "Zwischenjubiläums", wobei es zu unterschiedlichen Auffassungen über die Festveranstaltungen kam. Unterschiedliche Auffassungen über die Zielrichtung des weiteren Vorgehens führten zum Wechsel im Sitzungspräsidium.

Norbert Hauser führte zusammen mit Tanja Dammann durch das Programm des nächsten Jahres.1987 meldete sich Wilfried Eibelshäuser als Sitzungspräsident wieder zurück. Er wurde 1988 zum Ehrenmitglied ernannt.

Am 10. März 1989 endete die letzte Amtszeit des langjährigen 1. Vorsitzenden Helmut Roog, zu dessen Nachfolger der wieder zurückgekehrte Manfred Birkenstock gewählt wurde. Gleichzeitig wurde Oliver Böff zum 1. Kassierer gewählt, der das Amt bis 1999 begleitete.

Die 90er Jahre

Nachdem am Ende des vorigen Jahrzehntes einige bemerkenswerte Veränderungen im Mitgliederstamm und den Vereinsgremien zu verzeichnen waren, steuerte das Vereinsschiff in ruhige Gewässer unter Leitung des bekannten Vereinsmanagers Hendrik-Gregor Lippa-Mankel, der souverän zahlreiche Veränderungen und die Überarbeitung der Satzung durchführte. 1991 wurde das Amt des 2. Kassierers Hans Hofacker neu besetzt. Mit ihm trat ein Mann in den "Vereinsruhestand", der über ein Jahrzehnt in unvergleichbarer Pflichterfüllung und Genauigkeit den pekuniären Teil der Kassengeschäfte abgewickelt hatte.

1993 trat der Verein dem Bund Mittelrheinischer Karneval e.V. bei, nachdem Hendrik-Gregor Lippa-Mankel auch das Amt des Sitzungspräsidenten übernommen hatte. Im gleichen Jahr wurde nach behördlicher Prüfung der Vereinsgeschäfte und der Satzung die Gemeinnützigkeit anerkannt. Hendrik-Gregor Lippa-Mankel führt die Vereinsgeschäfte und die Sitzungen bis zu seinem Entschluss, nach Irland auszuwandern.

Im Jahr 1994 kehrte Klaus Klee wieder in den aktiven Teil des HMV-Geschehens zurück, übernahm die Pressearbeit sowie die Vorbereitung der Festschrift mit den historischen Aufzeichnungen.

Am 27. Juni 1995 wählte die Mitgliederversammlung Björn Misiewicz zum neuen 1. Vorsitzenden des Vereins. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang die Tatsache, dass sich in der Vereinsführung ein Generationswechsel vollzieht, der von den bewährten Kräften unterstützt wird.

Wilfried Eibelshäuser leitet wieder das Sitzungsgeschehen und der Verein steuerte gut gerüstet in das Jubiläumsjahr 1996. Dem Jubiläum ist eine spezielle Passage gewidmet.

1999 übergab Wilfried Eibelshäuser endgültig und unwiderruflich das Amt des Sitzungspräsidenten an Thorsten Heide.

Das 100-jährige Jubiläum

1996 feierte der HMV das 100-Jährige Jubiläum und richtete die Jubiläumskerb aus. Schirmherr war der damalige Hessische Wirtschaftsminister Lothar Klemm. Der Festkommers gilt noch heute als einer der spektakulärsten und anspruchsvollsten Jubiläumsfeiern. Neben Auftritten der Hochstädter Gesangsvereine und Chöre wurde erstmals eine von einer Großleinwandprojektion begleiteten Laudatio gehalten, die Aufsehen erregte. Anschließend spendierte der HMV den Anwesenden das Zweistundenprogramm des bekannten Kabarettisten Rainer Bange, der zusammen mit dem Roland-Schneider-Trio auftrat.

Die farbige Festschrift, die völlig frei von Werbung gehalten war, ist von der anspruchsvollen Aufmachung her ebenfalls ein Novum für Maintal und bis heute unerreicht.

Die Jubiläumskerb hatte Highlights zu bieten, wie eine HR3-Disco, die original Zillertaler und einen grandiosen Vereinsabend, dem am gleiche Tag ein Jubiläumsfestzug durch den alten Ortskern vorausging, der über 25 Motivwagen und Gruppen zählte. Moderiert wurde der Umzug von Karl Örtl, dem fernsehbekannten hessischen Karnevalsmacher.

100 Jahre Kreppelzeitung

2002 konnte die Hochstädter Kreppelzeitung ihr 100-jähriges Bestehen feiern. Die Jubiläumsausgabe wurde in einer Auflagestärke von über 5000 Exemplaren an alle Haushaltungen verteilt. Im Radio HR4 war der Chefredakteur Klaus Klee mit einem Interview vertreten, das die Kreppelzeitung weit über die Grenzen Maintals hinaus bekannt machte.

Die 2000er Jahre

Seit der Jahrtausendwende hat das Publikumsinteresse stark zugenommen. Ob bei den Straßenfesten oder den Fastnachtssitzungen - die Humoristen sind In. Die Verantwortlichen begründen das mit einer wesentlich zielgerichteteren Öffentlichkeitsarbeit, einer überaus starken und gut strukturierten Jugend- und Aufbauarbeit, die verstärkt Früchte trägt. In allen Bereichen der Vereinsführung macht sich die Verjüngung und geistige Erneuerung bemerkbar, die sich seit Mitte 2003 auf hohem Niveau stabilisiert hat.

Das neue Konzept der Humoristen beinhaltet ein völlig neu strukturiertes und von Klaus Klee geleitetes Finanzmanagement, einen noch zielgerichteter arbeitenden Wirtschaftsausschuss unter der Leitung von Uwe Lutz, ein neues technisches Konzept bei der Herstellung der Kreppelzeitung, die Implementierung eines Kreativ-Teams unter der Leitung von Michael Seßner, das für die effiziente Planung der Kampagnen und den innovativen Teil der Sitzungen Hand in Hand mit dem Sitzungspräsidium zusammenarbeitet.

Zusatzinitiativen, wie das Sprachtraining für Kinder und Jugendlichen und die neu gegründete Kabarett-Gruppe unterstreichen den hohen Stellenwert  des Umganges mit unserer Sprache. Die überdurchschnittlichen Erfolge unserer Vorträge anlässlich der Fastnachtssitzungen und seit einigen Jahren total ausverkaufte Sitzungskampagnen sprechen eine klare Sprache.

Mit der Gründung der "Hochstädter Lärmbelustigung", der zweiten Hessischen Guggenclique, gelang es den Humoristen, gleich über 25 junge Mitglieder musikalisch zu formieren und zu begeistern. Bereits nach einem Jahr seit Bestehen ist die Truppe unter Leitung von Katja Heide sehr gefragt und neben dem Männerballett fester Bestandteil der Fastnachtssitzung des Hessischen Fernsehens.

Der bisherige Erste Vorsitzende Björn Misiewicz, der sein Amt im Frühjahr 2003 aus vereinsinternen Gründen niederlegte, wurde kommissarisch von Klaus Hahn, dem Zweiten Vorsitzenden vertreten. Die Humoristen wählten im Frühjahr 2004 Andreas Koffler zum neuen Ersten Vorsitzenden und nutzen die neue Konstellation, die die Aktivitäten der Humoristen Dank des fortschrittlichen und erfolgreichen Führungskonzeptes und des perfekten Teamgeistes weiter beflügeln.

Im Jahr 2005 stehen erneut Veränderungen im Vorstand an, denn Klaus Klee gab bereits 2004 das Finanzmanagement offiziell ab und führt es kommissarisch bis zum April 2005 für die designierte Nachfolgerin Carolina Schock, die das Amt übernehmen wird. Damit erfolgt ein weiterer Verjüngungsschnitt, so dass alle verantwortungsvollen Posten des Vorstandes in Händen einer jungen und erfolgreich-dynamischen Mannschaft liegt.

Die Bearbeitung und Aktualisierung der Homepage wurde im März 2006 von unserem ehemaligen Vorsitzenden Björn Misiewicz übernommen.

Bei den Vorstandswahlen 2006 kam es dann erneut zu einem Wechsel in der Vereinsführung. Nach langjährigem Engagement im Vorstand stand Klaus Hahn nicht mehr als 2. Vorsitzender zur Verfügung. Als sein Nachfolger wurde Stefan Lohr gewählt, der schon seit 1998 als Beisitzer im Vorstand mitgearbeitet hatte.

Mikrokosmos

So viele talentierte Humoristen, noch dazu so viele kreative Schreiber – wie schade wäre es da, wenn sie nur zu Karneval zum Einsatz kämen, dachte sich Klaus Klee, der bereits Jahre vor Gründung des Mikrokosmos’ zu einem lockeren Treffen einlud. Ziel war damals bereits, Kabarett im Verein zu betreiben. Dennoch verlief der erste Versuch noch im Sande. Zum 25-jährigen Altstadtfest-Jubiläum schloss sich dann aber auf Initiative und unter der Leitung von Frank Walzer eine Gruppe Humoristen zusammen, die sich an der Sparte Kabarett ausprobieren wollten. So wurden wochenlang Stücke geschrieben und geprobt. Dabei heraus kam ein dreiviertelstündiges Programm, bei dem die Akteure überwiegend Alltagsthemen parodierten.

Im Rahmen eines größeren Vereinsnachmittags wurden zwei Kabarettblöcke aufgeführt, das vom Publikum begeistert angenommen wurde – keine Frage, dass es „weitergehen“ musste… Dies war der Anfang der Kabarettgruppe „Mikrokosmos“. 2006 zog die Gruppe mit ihrem neuen Programm – passenderweise „Jetzt überdacht“ genannt – ins Hochstädter Gemeindehaus um. Auch hier fanden die beiden Vorstellungen bei den Besuchern großen Anklang, so dass die „Kosmonauten“ im darauf folgenden Jahr gleich dreimal mit dem Programm „Was is’n da los?“ im ausverkauften Gemeindehaus zu sehen war.

111 Jahre HMV…

Mit der Kampagne 2006/07 feierte der HMV sein 111-jähriges Bestehen. Nach dem Motto „1+1+1=3“ entschied sich der Verein, eine dritte Fastnachtssitzung im Hochstädter Bürgerhaus zu veranstalten. Diese Jubiläumssitzung fand allerdings nicht wie die anderen Fastnachtsveranstaltungen an einem Freitag- oder Samstagabend statt, sondern an einem Sonntagnachmittag ab 17 Uhr. Gezeigt wurde natürlich das komplette Programm. Drei Fastnachtssitzungen an einem Wochenende, noch dazu alle ausverkauft – die Aktiven vor, auf und hinter der Bühne waren tagelang im Stress und Dauereinsatz.

Doch mit der Kampagne war das Jubiläumsjahr für die Humoristen noch nicht vorüber. Nach ein paar Wochen Erholung und dem ins Leben gerufene Frühlingshallenfest stand die Hochstädter Zeltkerb auf dem Programm, die der HMV zusammen mit dem Hochstädter Posaunenchor ausrichtete, der ebenfalls ein Jubiläum feierte. Beide Vereine hatten ein Programm auf die Beine gestellt, das die Besucher an allen vier Kerbtagen in Scharen anzog. Mit dem Auftritt der „Quietschboys“ wurde der sonst eher mäßig besuchte Freitagabend wiederbelebt. Auch der Kerbsonntag als Jubiläentag erregte viel Aufsehen. Zunächst feierte der Posaunenchor im Rahmen des Zeltgottesdienstes sein Jubiläum, am frühen Abend waren dann die Humoristen an der Reihe, die mit einem Umzug durch Hochstadt und einem Vereinsabend die Besucher ins Zelt lockten. Unterstützt wurde der HMV dabei durch viele befreundete Vereine. Verabschieden mussten sich die Humoristen an der Kerb leider von ihrer langjährigen Vereinsband, die beim Frühschoppen am Kerbmontag ihren letzten Auftritt hatte, bevor Helmut Roog und Heinz Lohr ihren wohlverdienten „Ruhestand“ antraten und somit den Platz frei machten für die neue HMV-Band „Just for fun“. Doch alles in allem brachte die Kerb ein sehr gutes Ergebnis – für die Humoristen war das ganze Jubiläumsjahr mehr als gelungen.

Frauenpower im Vorstand

Viel Zeit blieb den Humoristen nach der Kerb nicht, um sich von einem anstrengenden, aber schönen und erfolgreichen Jahr zu erholen, denn die neue Kampagne stand wieder vor der Tür. Wie schon in den letzten Jahren vorher zeigte sich auch 2008 ein sehr großes Interesse an Karten für die Fastnachtssitzungen. Doch zunächst wurde entschieden, es bei zwei Fastnachtsveranstaltungen zu belassen. Als beide dann allerdings am Tag der Vorbestellung sensationell nach nur 6(!) Minuten ausverkauft waren, blieb den Humoristen nichts anderes übrig, als - genau wie ein Jahr zuvor - eine dritte Sitzung zu veranstalten, die ebenfalls an einem Sonntagnachmittag stattfand und wie die beiden anderen ausverkauft war. Damit hatte sich die dritte Sitzung bei den Humoristen etabliert und wird wohl auch in den kommenden Jahren fortgesetzt werden.

Die Jahreshauptversammlung 2008 mit den anstehenden Vorstandswahlen brachte einige Veränderungen in den Vorstandsreihen mit sich. Michael Seßner, der einige Jahre als 1. Schriftführer im Vorstand tätig war, und Carolina Schock, bis dato 1. Kassiererin, standen nicht mehr für ihre Ämter zur Verfügung. Neu gewählt wurden dafür Simone Wilhelm und Dagmar Klyn. Insgesamt galt es fünf Posten neu zu besetzen. Die Neuwahlen brachten ein interessantes Ergebnis mit sich: Der HMV setzt auf Frauenpower! Der Vorstand setzte sich nun nämlich aus 9 Frauen und nur 5 Männern zusammen. Nachdem die Humoristen bereits Vorreiter darin waren, auf Jugendliche in Schlüsselpositionen des Vereins zu setzen, könnte man nun also auch von neuem Wind bei der Ämterverteilung unter den Geschlechtern reden.

Seit 2010

Nicht mehr von traditionellen Festen abhängig sein und gleichzeitig längerfristig investieren, diese Ziele nimmt sich der Vorstand des Humor-Musik-Vereins „Edelweiß“ 2008 vor. Es sind keineswegs leichte, aber gut bedachte und wegweisende Entscheidungen für die Zehner-Jahre, die der Verein in jenem Jahr trifft, um sich für die Zukunft finanziell sicher aufzustellen. Die Bilanz nach zwei Jahren ist beachtlich: Die Rücklagen sind satt aufgestockt, neuere finanzielle Standbeine wie das Kabarett von „Mikrokosmos“ und die Fastnachtsparty am Rosenmontag in der Vereinsheimat überm Neuen Bau" (seit 2009) bieten gute Zukunftsaussichten. Ebenfalls richtet der HMV seit 2009 ein „Kirschbaumfest“ im Hof von Stefan und Simone Wilhelm an der Hauptstraße aus. Nicht nur die Einnahmeseite, auch die Ausgabeseite überdachte der Vorstand. Schon nach zwei Jahren amortisieren sich größere Investitionen in Technik und Auftritts-Equipment, die sonst im jährlichen Budget kräftig einschlugen. Im immateriellen Bereich arbeiten die Humoristen ebenfalls an einer sicheren Zukunft. Mit einer „Dichterwerkstatt“ werden ab 2010 Jungtalente intensiv gefördert. Organisiert wird diese neue Förderung des Nachwuchses von dem Quintett Nina Stein, Lisa Paret, Johannes Matthias, Colin Stein und Frank Walzer.

Mit der Umorientierung im finanziellen Bereich und der Intensivierung der Nachwuchsförderung reagieren die Humoristen auf zwei zentrale Herausforderungen dieser Zeit: die Erosion der Einnahmen durch öffentliche Feste sowie den demografischen Wandel. Der Vorstand ist sich bewusst, dass die letztere Herausforderung nicht endgültig zu bewältigen ist. Für den Moment gilt aber die Formel beim HMV, von der andere Vereine nur  träumen: In der Altersklasse der Jugendlichen hat der HMV ein „Luxusproblem“: Immer mehr Jugendliche drängen mit gesprochenen Stücken auf die Sitzung der Erwachsenen. Das Sitzungspräsidium arbeitet bei der Programmgestaltung mit Hochdruck daran mit, diesem riesigen Potenzial an Nachwuchshumoristen eine Bühne bieten zu können.

Im Jahr 2012 betritt das "Jugendgruppenstück" die Fastnachtsbühne der Erwachsenen. Die Jugendlichen, die aus allen Maintaler Stadtteilen verteilt das Programm der Humoristen bereichern, haben ihr Stück selbst geschrieben, selbst die Kulissen gestalten, selbst die Requisiten zusammengesucht. Sie alle waren Teilnehmer bei den Dichterwerkstätten des HMV - die Humoristen sind stolz auf ihre Jugend! Und solche Erfolgserlebnisse machen Mut, die eingeschlagenen Pfade weiterzugehen.

Seit den Wahlen 2012 setzt sich der Vorstand des Humor-Musik-Vereins "Edelweiß" wie folgt zusammen: Andreas Koffler (1. Vorsitzender), Stefan Lohr (2. Vorsitzender und Wirtschaftsausschuss), Dagmar Klyn (1. Kassiererin), Johannes Matthias (2. Kassierer), Simone Wilhelm (1. Schriftführerin), Angela Cercas (2. Schriftführerin), Thorsten Heide (Sitzungspräsident), Rosita Greene (Jugendleiterin), Nina Stein (Pressewartin), Karin Lohr, Martin Walzer, Luis Cercas und Frank Walzer (jeweils Beisitzer).

Rosita Greene, die bei den Wahlen schon angekündigt hat, das Amt der Jugendleiterin nur noch für einige Monate ausfüllen zu wollen, zieht sich im Sommer 2012 zurück. Der Jugendausschuss und der Vorstand haben die Nachfolge schon vorbereitet. Ein Team aus motivierten und engagierten Frauen steht in den Startlöchern.

Zehn Jahre "Hochstädter Lärmbelustigung" – zu diesem Anlass laden die Guggemusiker im Sommer 2012 zum großen Jubiläumsfest ein. Ganz nach dem Motto „No Lärmer, no party“ feiert die Truppe ihr Jubiläum und hat dafür  ein Programm zusammengestellt, das vor musikalisch einige Leckerbissen bereithält. Zu Gast sind unter anderem die "Kinziggeister", die 1. Hessische Guggemusik. 2002 starteten die "Lärmer" mit 17 Leuten und mit Auftritten auf den HMV-Sitzungen ihre Gugge-Karriere. Inzwischen zählt die  Gruppe rund 35 Mitglieder. Die Lärmer haben sich weit über Maintals Grenzen hinaus einen Namen gemacht und sind während der Fastnachtskampagne jedes Wochenende zu Auftritten unterwegs.

Ein fastnachtliches Jubiläum feiert die "Hochstädter Kreppelzeitung" in ihrer Ausgabe von 2013. im 111. Jahr ihres Bestehens geben die Kreppelrichterinnen und Kreppelrichter ein paar Einblicke in ihre Redaktionsarbeit - natürlich in ihrer druckfrischen Ausgabe und in gewohnt humoristischer Form. 

 

Auf der Jahreshauptversammlung 2013 stimmen die anwesenden Humoristen einer Satzungsänderung zu: Der Vorstand wird um die Position einer stellvertretenden Jugendleitung erweitert. Damit wird nun der Tatsache Rechnung getragen, dass der Jugendarbeit durch die intensivere Förderung und den Grundsatz "Fastnacht von Kindern für Kinder" auch größere Arbeit erwächst. Manuela Fischer (Jugendleiterin) und Jasmin Schmidt (Stellvertreterin) teilen sich nun die Verantwortung für den Nachwuchsbereich.

Zehn Jahre "Mikrokosmos"  - die Mikrokosmonauten stehen im Jubiläumsjahr mit "Des war schon immer so!" auf der Bühne im Hochstädter Gemeindehaus. Vier Veranstaltungen, vier Abende mit begeistertem Publikum, so soll es auch in Zukunft weiter gehen. 

Drei Treue Seelen des HMV werden an der Weihnachtsfeier zu Ehrenmitgliedern ernannt: Hans Heide, Heinz Lohr und Helmut Roog. Sie haben über Jahrzehnte hinweg den Verein geprägt, als Vorsitzend und Vorstandsmitglieder, als Musiker und als Aktive auf der Bühne. Noch immer bilden sie einen Kernteil des Wirtschaftsausschusses, der die Feste ausrichtet. Die Ehrung durch den Vorsitzenden Andreas Koffler bekräftigen die rund 120 Mitglieder im Großen Saal der Geschäftsstelle mit stehenden Ovationen. 

Fortsetzung folgt...