Fastnachtssitzung 2017

Hochstädter Humoristen feiern furios Fastnacht

HMV läutet den Sitzungsreigen in Maintal ein

Textausschnitt aus dem Maintal Tagesanzeiger +++ Fotos: Kalle Meyer (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!)

 

„Heut' ist Karneval im Bürgerhaus in Hochstadt.“ Mit dieser Liedzeile beginnt jede Sitzung des Humor-Musik-Vereins „Edelweiß“. Auch am vergangenen Samstag gab Klaus Hahn den Startschuss für das gut vierstündige Programm mit einer Mischung aus Tanzdarbietungen, Wortbeiträgen und Gesang.

Karneval kann jeder, mag man leichthin sagen. Doch ganz so einfach ist die Sache nicht. Erst recht nicht, wenn der eigene Anspruch Material aus der Konserve oder den Weiten des Internets verbietet und stattdessen auf handgemachte Fastnacht setzt – wie der HMV. Ob Textbeitrag, Choreographie oder Kostüme, alles entsteht in den vereinseigenen „Werkstätten“. Und gerade das macht die Sitzungen der Humoristen so interessant. Denn hier findet sich neben allgemeinpolitischer Satire oder Persiflagen zwischenmenschlicher Erlebnisse noch eine ordentliche Prise Lokalkolorit.

Vor allem Colin Stein und Frank Walzer sind seit vielen Jahren die Aushängeschilder und drücken den Sitzungen ihren Stempel auf. In diesem Jahr mussten Fans der beiden spitzzüngigen Redner leider einen Abstrich hinnehmen und auf Frank Walzer verzichten. Doch für Trauer ließ Colin Stein wenig Raum.

Als nachdenklicher Clown ließ der Hochstädter das vergangene Jahr Revue passieren, setzte sich unter anderem mit der Neuschöpfung des Begriffs „postfaktisch“ auseinander, thematisierte die Wahl des US-Präsidenten Trump, die Migrationspolitik oder die Vorwürfe des „Racial Profilings“, das er auch in Maintal entdeckte, und natürlich mit der Kommunalpolitik und Bürgermeisterin Monika Böttcher, der er bescheinigte: „Authentisch scheint se ja zu sein: Nix hat se versprochen und des hält se auch ein.“

Es sollte nicht der einzige Programmpunkt bleiben, der das parteilose Stadtoberhaupt aufs Korn nahm. Auch das „Trio“ thematisierte das moderierende Geschick Böttchers (Silvia Koffler), die sich in den Kampf der Geschlechter zwischen Power-Emanze Pia Jost und Testosteron-Verfechter Stefan Lohr einschaltet, darauf bedacht, keine Angriffsfläche, dafür aber ein fotogenes Lächeln zu bieten.

Nicht zuletzt war das wenig pulsierende Leben auf dem Hochstädter Wochenmarkt, welches das Männergruppenstück thematisierte, ein Programmpunkt. Ernüchternd fiel für drei neugierige Kinder die Begegnung mit einem feilschenden Gemüse-, einem gelangweilten Wurstverkäufer und einem Lokalpolitiker aus, der gar nicht so genau weiß, wofür, aber zumindest für wen er wirbt.

Eine Freude war es, die „Humorias“ zu erleben, die ihre Lieder seit der vergangenen Session in eine Geschichte einbinden und in diesem Jahr mit einer musikalischen Version von „Schneewittchen und die sieben Zwerge“ überzeugten. Dabei begeisterten vor allem der hör- und sichtbar genervte Spiegel, aber ebenso die thematisch passende Liedauswahl. Und auch Johannes Rosbach, der mit seiner Mischung aus Erzählstück und Stimmungsliedern längst zu einer festen Größe bei den Sitzungen geworden ist, heizte dem Saal ein.

Tänzerisch bewegten sich auch die Gruppen erneut auf hohem Niveau, begeisterten mit ihren Motiven, der Choreographie und vor allem den Kostümen, wobei hier insbesondere die gelungene Hommage an die Goldenen 20er Jahre durch die Gruppe „Greenrhythm“ hervorzuheben ist, aber ebenso die Reise „Rund um die Welt“ vom Tanzprojekt.

Für Stimmung sorgten außerdem die Majorettes mit ihrem temporeichen Stab-Tanz, die boxenden Tänzerinnen von „No Limits“, die Amazonen aus den Reihen der Maxi-Majorettes sowie die temporeich über die Bühne tänzelnden „Russen“ des Männerballetts.

Das Jugendgruppenstück debütierte in großen Teilen mit einem selbst erdachten Fernsehsendungsformat, das andere Society-Programme in den Schatten stellen würde: „Rock – kurz und knapp“. Petra Arnhofer mimte die neugierige, allwissende Nachbarin, die „M&Ms“ alias Monika Heiser und Monika Göpfert lieferten Pakete aus, während ihre tänzerischen Pendants der „Golden Girls“ das Publikum in die 60er Jahre beamten.

Musikalisch setzten „Stimmung hoch drei“ und die „Hochstädter Lärmbelustigung“ dem Programm noch das i-Tüpfelchen auf.