Das allererste Programm:

 

Große und kleine Welten im „Mikrokosmos“

 Kabarettgruppe des HMV nimmt menschliches Verhalten im Allgemeinen
sehr ernst und parodiert ernste Gesellen relativ menschlich 

Zum 25-jährigen Altstadtfestjubiläum Ende Juni hatte sich eine Gruppe talentierter Humoristen zusammengeschlossen, um mal neue Wege zu gehen, mal etwas anderes auszuprobieren als stets das Karnevalistische zu Karneval, schließlich ist der Alltag doch viel zu reich an Themen, die danach schreien, parodiert zu werden, als dass man sie alle in eine Karnevalsveranstaltung packen könnte: Der „Mikrokosmos“ hatte sich gegründet. Wochenlang schrieben sich daraufhin die Aktiven die Finger wund, bastelten an ihrem aufwändigen Bühnenbild und zermarterten sich die Köpfe über die Performance.

Zum Altstadtfest kam schließlich ein dreiviertelstündiges Programm heraus, das den Rathausplatz zu füllen vermochte, wie es seit Jahrzehnten keinem Straßen- oder Altstadtfest mehr gelang. Bis kurz vor der Hauptstraße standen die hintersten Zuschauer, um die neue Kabarettgruppe bei ihrem ersten Auftritt zu sehen. Das „Allzumenschliche“ nahmen die Kosmonauten aufs Korn, das Verhältnis Mann/Frau in vielen Facetten, das Verbreiten von Gerüchten in einem Ort wie Hochstadt oder das Stupide am Fernsehen; kurz: die große Welt im Kleinformat auf einer Bühne, die nicht mehr als fünf Quadratmeter maß – Mikrokosmos als Programm für Spieler und Publikum. Das Lebensmotto aller Humoristen lautet: Menschlichen Schwächen des Alltags mit einem Lachen begegnen und ihnen verzeihen. Und ganz besonders für die Kosmonauten: Menschliche Schwächen des Alltags beobachten und zu überspitzter Darstellung bringen.

Wenn die Texter des Mikrokosmos’ nach langer Wortjonglage an bestimmter Stelle sagen „Jawohl! Genau so ist es eben!“, erst dann sind die Dialoge reif für die Bühne. Denn Ziel ist es, dass das Publikum die bekannten, manchmal aber auch subtilen menschlichen Schwächen wieder erkennt. Wenn schon nicht an sich selbst, dann doch an nahen Bekannten des Alltagslebens. Das erfordert treffsichere Pointen, auf die der Mikrokosmos besonderen Wert legt. Einfach nur urkomisch oder Anstoß zum Nachdenken oder beides; nah an den Hauptdarstellern des Alltags und doch reflektiert: Die Verfasser der Sketche verwenden viel Zeit darauf, um den richtigen Mittelweg zu gehen oder auch mal bewusst davon abzuweichen. Menschliche Schwächen sind schließlich auch nicht immer berechenbar…

Zu solchen Unberechenbarkeiten gehören – so ist es eben nun mal – auch Entscheidungen und Verhaltensmuster in der Politik. Eine kreative Polit-Persiflage gehört in ein kabarettistisches Programm ebenso hinein wie das „ganz normale“ zwischenmenschliche Verhältnisse auch. Zur Premiere am Altstadtfest hatten die Hochstädter Kosmonauten noch darauf verzichtet. Zeitpunkt und Rahmen waren einfach nicht passend.

Statt Keule eine feine Klinge: Die Kosmonauten bleiben auch hier ihrer Linie treu, für die sie bei ihrem ersten Auftritt langen Applaus ernteten. Koordiniert wird die Gruppe Mikrokosmos von Frank Walzer. Doch die Last der Vorbereitungen schultern mehrere Mitglieder. Auch Humoristen, die nicht auf der Bühne erscheinen werden, helfen kräftig mit, und zwar zum Teil schon Wochen vor der Veranstaltung.

Zu dem Kreis gehören sieben Damen – namentlich Isabella, Gisela Jeske, Pia Jost, Silvia Koffler, Christine Rothaut, Angela Cercas und Katja Welsch – mit den fünf Herren Johannes Matthias, Klaus Klee, Michael Seßner, Colin Stein.

Bilder von Mike Gros