Das Programm 2012:

E' stark Stück

 

Rohrbachs Zahlen sind gut versteckt

Hochstädter Kabarett-Gruppe „Mikrokosmos“ begeistert ihre Zuschauer mit einer „explosiven“ Vorstellung

 

Fluglärm, abtrünnige Parteimitglieder, Einbrecher im Rathaus, und eine Kita, die sich selbst trägt. Für ihren Satireabend im evangelischen Gemeindehaus Hochstadt hatte sich die Kabarett-Gruppe „Mikrokosmos“ des Humor-Musik-Vereins „Edelweiß“ wieder zahlreicher Maintaler Themen bedient. Doch auch Alltägliches wie beispielsweise die Probleme „Meiner Generation“ oder die Sorgen zweier Smartphones wurden überspitzt dargestellt. Das Publikum war begeistert, denn das neue Programm „E stark' Stück“ schlug ein wie eine Bombe.

 

Als zweitgrößte Stadt im Main-Kinzig-Kreis hat Maintal viel zu bieten – so auch an Themen für einen Kabarett-Abend. Die „Mikrokosmos“-Gruppe hatte unter anderem die aktuelle Kita-Problematik aufgegriffen und kurzerhand die Kita „Zappelliese“ auf dem ehemaligen Mettenheimer Gelände gegründet. Reporterin „Steffi Strampler“ (Gisela Jeske) berichtete ihrer Kollegin Nina Walzer-Stein live aus der Betreuungseinrichtung, die im Drei-Schicht-Betrieb funktioniert. Beim Farben mischen für eine Malerfirma oder dem Öko-Tüten falten für einen Supermarkt verdienen sich die Kleinen ihren Aufenthalt in der Kita, die sich selbst trägt. „Seriös finanzierte Kleinkindbetreuung“, nannte dies Gisela Jeske, denn was die Kinder wegschaffen, müssen die Eltern am Ende weniger zahlen.

 

Wie anpassungsfähig die Maintaler Politik ist, demonstrierten die „Drei Flexiblen“ (Frank Walzer, Pia Jost und Johannes Matthias), die je nach Interesse einfach mal die Partei wechselten. Sicher waren sie sich nur in einem: „Kommt, in die Partei, wir, sind schon dabei“.

 

Wie sehr Maintal unter Fluglärm leidet, erlebten die Zuschauer beim Stück „Lärm in Hochstadt“. Reporterin Silvia Koffler versuchte vergeblich, hinter das Geheimnis der Kaltvergärung beim Hochstädter Apfelwein zu kommen. Immer dann, wenn sie kurz davor war, dröhnten die Turbinen eines Flugzeugs so laut, dass nichts mehr zu verstehen war. Eine der wenigen Infos, die sie erhielt: „Attila geht's gut“.

 

Bürgermeister Erhard Rohrbach (Stefan Lohr) wurde auch in diesem Jahr nicht verschont. „Beim Bartputzer“ ging es ihm an den Kragen. Das Stadtoberhaupt wurde beim Anblick der Rasierklinge von Klaus Klee schnell einsichtig, was die Erhöhung der Grundsteuer anging. Als dann auch noch „Einbrecher im Rathaus“ (Colin Stein und Frank Walzer) den Tresor Rohrbachs knackten und die versteckten Zahlen entdeckten, auf die Alexander Kühn (SPD) noch immer wartet, konnte sich das Publikum im Gemeindehaus vor Lachen nicht mehr halten.

 

Besonders eindrucksvoll war die Vorstellung von Frank Walzer, der als „Meine Generation“ den Zuschauern Vorwürfe über „Ihre Generation“ machte. In rasantem Tempo berichtete er von der Ungerechtigkeit, die er als U 30-Typ erfahre, dem weißgemacht werde, ihm stehe die Zukunft offen und prangerte dabei die Fehler „Ihrer Generation“ an, die in der Vergangenheit gemacht wurden: „Ihre Generation hat gesagt, die Rente sei sicher, meiner Generation sagt man, sie sei es ganz und gar nicht.“

 

Schon die Verkleidung entlockte dem Publikum laute Lacher: Pia Jost und Katja Welsch steckten jeweils in einem Riesen-Smartphone und klagten sich gegenseitig ihr Leid. Zu viel oder zu wenig in Benutzung, keines der beiden Handys war zufrieden mit seinen Besitzern. Als „Running Gag“ diente diesmal die komplette Videoüberwachung Maintals, die in insgesamt zehn Zwischenstücken Thema war.

 

Natürlich gab es noch viele weitere satirische Momente, welche die Kabarettisten dem begeisterten Publikum präsentierten. Dabei fanden sie eine perfekte altersübergreifende Mischung aus Politik und Alltag. Für diesen grandiosen Abend mit einer explosiven Mischung sorgten die „Mikrokosmos“-Darsteller: Isabella Isabella, Brigitte Rosanowitsch-Galinski, Silvia Koffler, Pia Jost, Gisela Jeske, Colin Stein, Katja Welsch, Johannes Matthias, Stefan Lohr, Nina Walzer-Stein, Klaus Klee, Angela Cercas, Helmut Roog und Frank Walzer. Dass sie im kommenden Jahr erneut die Bühne stürmen werden, daran ließen sie am Ende keine Zweifel: „Wir kommen wieder, keine Frage.“

 

Text von Judith Grommes (Maintal Tagesanzeiger)